Die Landtagswahl im September 2026 in Sachsen-Anhalt war ein Schock. Obwohl man ja wusste, wie sie ausgehen wird. Okay, die AfD hat noch ein paar Prozentpunkte mehr bekommen, als man vorher gedacht hatte, und dass es dann auch noch das BSW in den Landtag schaffte, war vorher nicht unbedingt abzusehen gewesen.
Das ist – man muss es in dieser Deutlichkeit sagen – eine Katastrophe. Weil die Strategie, die AfD von der Macht fernzuhalten, in dem sich die demokratischen Parteien zusammenschließen (»Wir sind mehr« lautete vor einigen Jahren das leichtfertige Motto antifaschistischer Demonstrationen), gescheitert ist. Denn wenn Rechtsextreme die Wahlen gewinnen, kann auch keine Brandmauer verhindern, dass sie an die Regierung kommen. Eine bittere Erkenntnis, aber Realitätsleugnung war bekanntlich noch nie hilfreich.
Eine Woche später fanden in Niedersachsen Kommunalwahlen statt. Diese gingen im Vergleich dazu fast glimpflich aus. Die AfD verdreifachte zwar ihre Prozentpunkte, ist aber weit davon entfernt, die stärkste Partei zu sein – obwohl alle anderen Stimmen verloren haben, von den Linken mal abgesehen, die ihre Prozentpunkte immerhin verdoppeln konnten. In meinem Wahlkreis darf ich mich noch in Sicherheit wiegen. Hier hat eine überwältigende Mehrheit die Grünen und die Linken gewählt, sogar die SPD hat noch ein paar Stimmen abbekommen (Südostniedersachsen ist eine der letzten Hochburgen der SPD), während die CDU im unteren zweistelligen Bereich herumdümpelt und die AfD gar nichts zu melden hat. Und die FDP ist noch einmal über die 5-Prozent-Hürde geklettert.
Alles in Ordnung also bei mir in der Nachbarschaft, in meiner Hood?
Monchi, der Sänger der legendären Punk-Band Feine Sahne Fischfilet, hat ein Buch darüber geschrieben, wie es sich anfühlt, jenseits der Brandmauer zu leben. In seinem Heimatort Jarmen hat die AfD immerhin bei der letzten Wahl 54 Prozent bekommen. Soviel zu »Wir sind mehr« …
Die vollständige Rezension der aktuellen Bücher von Monchi (»Jenseits der Brandmauer«), David Hugendick (»Jetzt sag doch endlich was“«) und Frank Schäfer (über Black Sabbath) lest ihr beim Wortmax.