Brasilien an der Ostsee ist das Rio des Janeiro des kleinen Mannes. Und der kleinen Frau. Also auf jeden Fall der Leute, die es sich nicht leisten können, für die Sommerfrische nach Südamerika zu jetten. Gleich neben Brasilien liegt Kalifornien. Also neben dem deutschen Brasilien, nicht neben dem amerikanischen. Die beiden Feriendörfer gehören zur Gemeinde Schönberg in der Probstei. Gar nicht weit weg liegt zum Beispiel das ungleich bekanntere Laboe, was wiederum ein Vorort von Kiel ist. Womit wir das Thema Geografie hiermit auch beenden wollen.
Widmen wir uns vielmehr dem, was Brasilien zu bieten hat: Strand. Strand. Strand. Und Sand. Also Sandstrand. Und wenn die Sonne so schön scheint wie heute, bleibt einem auch gar nichts anderes übrig, als gemächlich an den Strand zu eilen, um seinen
bleichen Körper den gleißenden Sonnenstrahlen auszusetzen, und die Vorfreude auf die zu erwartenden Verbrennungen der obersten Hautschicht zu genießen.
Und abends dann wird zurückgegrillt! Mit Würstchen und Grillkäse und einem Beilagensalat. Hernach wird gespielt, und zwar die Hitster-Sommerhitsvariante!
Und zwar gar nicht unbedingt, weil man gewinnen will, sondern weil man echte Sommerhits hören kann, besonders die, die man sich sonst nicht zu hören getraut, weil sie einem zu peinlich sind, „Sun of Jamaica“ von der Goombay Dance Band zum Beispiel. Und Rudi Carrell fragt ein weiteres Mal: „Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer?“. Und wir antworten im Chor: Na heute, Rudi, heute!
Der nächste Tag verläuft ganz ähnlich wie der davor, mit dem Unterschied, dass es vor dem Strandbesuch auf den Minigolfplatz geht, zwecks körperlicher Ertüchtigung. Aber was heißt Ertüchtigung an so einem Sommersonnentag? Oder gar Wettkampf? Zu schön ist der Tag, als dass man ihn mit Konkurrenzkampf vergeuden könnte! Alle sind zufrieden, auch die Verlierer und leckern zur Belohnung für die Teilnahme ein Milchspeiseeis mit Schokoladenüberzug. Danach
geht es wie gesagt an den Strand, um sich in die Wellen zu stürzen, die sich allerdings nur mäßig wellen, im Gegensatz zum Vortag, wo sie sich mannshoch auftürmten, so dass man lachend-prustend umgeworfen wurde. Kurz vor dem Heimweg dann noch zum Ende der Buhne, die heute fußläufig über eine Art Sandbank zu erreichen ist. Dort sehe ich, wie sich ein mittelgroßer Krebs seitlich fortbewegt, auf seinen kleinen Krebsbeinen, und sich dann eingräbt in den Sand, neben einer Wasserpflanze, so dass nur noch der ihn sieht, der weiß, wo er ist. Also ich. Und irgendwie macht mich dieses kleine Schauspiel ganz glücklich.

Kalifornien

Kalifornien ist dem kleinen Ort Holm vorgelagert. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: ein Hotel, Restaurants, Imbisse, eine Strandpromenade, einen Tante Emma-Laden, einen Minigolfplatz und einenFahrradverleih.
In Holm gibt es wiederum ein großes Ferienzentrum und eine Kurklinik sowie ein sehr hohes Hochhaus, das als „der Holm“ bekannt ist und sogar für Seefahrer als Orientierungspunkt gilt. Am Marktplatz sind kleine Lädchen, Cafés, Kneipen und Speisewirtschaften zu finden. Das hat leider nicht ganz soviel Charme wie man meinen könnte und wirkt ein bisschen wie vergilbte 70er Jahre, erfüllt aber seinentouristischen Zweck.
Die Probstei als solche hat aber einiges zu bieten, zum Beispiel am Straßenrand herumlungernde Strohpuppen. Und Heuer‘s Cafe in Schönberger Strand lockt mit sehr lustigem Bauerngolf, einem Maislabyrinth sowie leckerem selbst gebackenen Kuchen und Torten zu durchaus fairen Preisen.
Die Tage am Meer verbringt man am besten im Meer. Zumindest wenn es das Wetter zulässt. Das ist diesmal der Fall, so dass wir einige Strandausflüge genießen dürfen, an denen wir uns von den Wellen wiegen oder überspülen lassen.

Am Donnerstag findet auf dem Deich vor Kalifornien immer ein Konzert statt. Diesmal tritt der Künstler Tramper auf, der sich rühmt, den Folk Hop erfunden zu haben. Der Hippie aus Lübeck rockt den Deich ganz gut und unsere kleine Reisegruppe genießt den Abend, mit Blick auf Bühne und Meer, trinkt Bier und Limo, auch wenn es später ein bisschen frisch wird.

Kiel

Die nächsten Tage im Schnelldurchlauf:

Am Freitag machen wir einen Ausflug nach Kiel, um zwei unserer Mitreisenden zum Bahnhof zu bringen. Auf der Fahrt dorthin probieren wir die Busspur aus. Versehentlich natürlich! In Kiel regnet es mal wieder. Gefühlt regnet es in Kiel sehr viel. Mehr als an der Küste jedenfalls, wo der Regen schnell von einer steifen Brise weggeblasen wird.
Am Samstag erwerben wir eine 10er-Karte für ein mehrtägiges Minigolf-Turnier.

Am Sonntag müssen wir uns von den Strapazen des Wettkampfs ausruhen und machen einen sogenannten „Schlafanzugtag“.
Am Montag erinnern wir uns an das Bonmot „Im Sommer ist der Regen wärmer“, denn es nieselpieselt den ganzen Tag, von ein paar unbedeutenden kleinen Pausen mal abgesehen. Dafür ist der Wind nicht ganz so stark wie an den letzten Tage. Anscheinend muss sich das Wetter ganz auf die Flüssigkeitsproduktion konzentrieren. Mit einem Pale Ale-Sprottenbier der lokalen Brauerei Jörgen Petersen verkürze ich mir die Wartezeit. Es schmeckt definitiv besser als viele andere Pale Ales, unaufdringlich-zitronig, mit viel Malz und nicht weniger Hopfen. Ein Teil des Kaufpreises wird für einen nicht näher genannten guten Zweck gespendet. Das flenst! Ach ja, Flensburger hat sich dem allgemeinen Trend angeschlossen und ein eigenes Helles im Angebot, das auch tatsächlich milder ist als das bekannte raue Pilsener.

Laboe

Am Dienstag machen wir den obligaten Ausflug nach Laboe, dessen bekannteste Ausflugsziele natürlich das Marineehrenmal und das begehbare U-Boot sind. Der berühmte Urlaubsort am Eingang der Kieler Förde ist betriebsam, hat einen breiten Sandstrand zu bieten, kleckeriges Softeis mit Schokohaube, einen Kunstautomaten sowie die schöne Buchhandlung elatus.

Am Mittwoch ist mal wieder Strandtag, den wir am kostenlosen Abschnitt des Mittelstrandes verbringen. Wir genießen das Strandtreiben mit deutschen und migrantischen Familien (letztere bestehen anscheinend nur aus Männern) sowie einer sportiven Jugendgruppe, die sich für ihr ausgiebiges Volleyball-Spiel mit Pizza belohnt. Einzelne Pumper zeigen stolz ihre Muckis.
Auch den darauffolgenden Tag verbringen wir am Strand, flüchten jedoch gegen Abend vor einem drohenden Unwetter, das Wind und Regen bringt.
Der darauffolgende Tag ist schon wieder viel freundlicher. Abends gehen wir in die Deichkiste in Kalifornien, um ein Abschlussessen zu genießen: Ich gönne mir einen leckeren Lachsburger im Briochebrötchen, während meine bezaubernde Gefährtin ein nicht minder wohlschmeckendes Schollenfilet mit Kartoffeln und Salat präferiert.
Am Samstag fahren wir gen Niederlande, um dort unsere letzte Urlaubswoche zu verbringen und fahren über die A1, um den Elbtunnel zu umgehen, um eventuelle Staus zu umgehen – wodurch wir in einen stundenlangen Stau geraten. Ich versuche, mir die Autofahrer-Logik zueigen zu machen, dass Autos nie Verspätung haben, nur Züge.
Bei Autos dauert die Fahrt bekanntlich einfach immer nur ein bisschen länger.

Die Reise nach Riga