Die Niederlande sind immer eine Reise wert. Meistens fahren wir nach Noord- oder Zuid-Holland, aber in diesem Jahr haben wir es nicht geschafft, rechtzeitig unseren Urlaub zu buchen, wodurch es uns nach Friesland verschlagen hat, ans IJsselmeer.

Was jetzt gar nicht die schlechteste Wahl ist, denn wir sind auf einem tollen Campingplatz bei Molkwerum gelandet, direkt hinterm Deich. Wenn man über den Deich geht, landet man an einem kleinen Strand. Das hier sanft anbrandende Wasser ist sehr warm und sehr flach. Doch in der Ferne sehen wir etwas herausragen. Vielleicht ein Segel? Oder das Schwert eines Schiffes? Oder eine sehr große Haifischflosse?

Der Campingplatz heißt ‘t Selantsje und hat einen Kiosk mit Brötchen-Bestelldienst, ein italienisches Restaurant mit Schlagerbeschallung, viel Landgeruch und wunderschöne Sonnenuntergänge zu bieten, die man sich vom oben erwähnten Deich aus ansehen kann.

Der Campingplatz wird zur Hälfte von Deutschen und zur Hälfte von Holländern bewohnt. Die Niederländer sind ja bekanntlich eine stolze Campingnation, daher gibt es hier sehr viele gut ausgestattete Campingplätze, auf denen sich – wie hier – viele Klein- und Großfamilien, Freundeskreise und Jugendgruppen tummeln. Und Surfer natürlich. Ach ja und Angler!

Den zweiten Tag, ein Sonntag, verbringen wir badend. Das mysteriöse gesunkene Schiff stellt sich hierbei als ein einbetonierter Flugzeugflügel heraus, ein Denkmal für die im 2. Weltkrieg über dem IJsselmeer abgestürzten alliierten Piloten.

Der Montag ist extrem heiß, so dass wir beschließen, ihn lesend auf dem Campingplatz zu verbringen. Aber erst nachdem wir einkaufen waren in Workum: Lakritze, Vla, Sandwich Spread, Stroop Wafels, Tucs und leckeres Bier von Hertog Jan, das ein bisschen bitter ist, süß-bitter um genau zu sein.

Friesland ist sehr ansehnlich, stellen wir fast ein wenig neidisch fest, die hübschen Dörfer und Städte sind viel schöner als die meisten Ortschaften in (Nord-)Deutschland.

Der Dienstag ist – wie schon der Sonntag – ein Strandtag.

Am Mittwoch ist es nicht so heiß, dafür aber sehr windig. Irgendein Teufelchen flüstert uns ein, dass das der perfekte Tag für einen Fahrradausflug ist. Selbst mit dem E-Bike ist das noch eine Herausforderung, wie wir im Laufen des Tages feststellen müssen, auch wenn das Radwegenetz wie überall in den Niederlanden extrem gut ausgebaut ist.

Wir fahren mehrere kleine Hafenstädtchen an – Hindeloopen, Haast und wieder Workum, in dem heute Markttag ist, so dass es wie verwandelt ist mit seinen belebten Straßen und Plätzen. Auch Makkum ist sehr lekker, ebenso wie die Pommes mit Erdnusssauce, die wir hier an der Gracht sitzend genießen.

Der Rückweg führt uns durch das Binnenland, unter anderem durch Bolsward mit seinen schönen Grachten und den dort liegenden Plattbodenschiffen.
Überhaupt gibt es hier in Friesland überall Kanäle und Grachten, nicht nur in den Ortschaften, sondern auch außerhalb. Sie werden von hübschen kleinen Motorbooten befahren. Was fällt noch auf? Die vielen friesischen Fahnen und die zweisprachigen Ortsschilder natürlich!

Obwohl wir E-Bikes fahren ist die Rückfahrt recht anstrengend, zumal wir nicht genau wissen, wie lang der Akku reicht, so dass wir erst ganz am Ende den Turbo-Gang einschalten, um gegen den Wind anzuradeln.

Der Donnerstag ist ein Regen- und damit weitgehend auch ein Ruhetag. Ich unternehme einen Spaziergang in Richtung Stavoren. Auf dem Deich laufen sehr viele Schafe herum, die noch mehr Dung hinterlassen. Ein kleiner Bunker erzählt von vergangenen Zeiten, als die Niederlande von Deutschland besetzt waren. Heute nutzen ihn die Schafe als Unterschlupf, was irgendwie ganz schön ist.

Unser Abendessen nehmen wir im Restaurant auf dem Campingplatz zu uns. Empfehlung: Der Salat ist wirklich sehr lecker und mit einem feinmundigen Dressing angemacht.

Nachts wird unser Zelt auf Regenfestigkeit getestet und schließt dabei sehr gut ab, nur vorne hat es etwas reingeregnet, was aber auch ein bisschen selbstverschuldet ist, da wir den Eingangsbereich nicht ordnungsgemäß vertäut haben, so dass der Wind Wasser hereingetrieben hat.

Am Freitag fahren wir nach Sneek zum Shoppen. Die Niederländer sind uns modisch ja immer eine Nasenlänge beziehungsweise ein paar Jahre voraus, so dass der Einkauf im Nachbarland durchaus lohnend ist. Heuer wird der letzte Tag der Sneek Week begangen, aber der Rummel ist leider schon abgebaut. Dafür genießen wir sehr guten Kaffee und noch bessere Brownies und zwar in einem Café, dass sich „Brownies und Downies“ nennt und Menschen mit Beeinträchtigung beschäftigt. Wir erleiden einen kleinen Zuckerschock, wissen das gute Preis-Leistungsverhältnis aber trotzdem (oder gerade deswegen) zu schätzen. Am Wassertoren, dem Wahrzeichen der Stadt, sprudelt eine lustige Fontäne. Wir stoßen hierbei zufällig auf ein Konzert im Hafenbecken, bei dem ein Orchester populäre Musik intoniert, eine Mischung aus Soul, Funk, Rock und Filmmusik, während die Zuhörerinnen und Zuhörer auf Booten oder am Hafenbecken sitzen oder stehen (so wie wir). Ein mehr als würdiger Abschluss für unseren kleinen Ausflug in die mittelgroße Stadt!

Am Samstag unternehmen wir eine extrem kurze Fahrradtour, die uns nach Stavoren führt und ein bisschen darüber hinaus ans Rote Kliff, wo dereinst die Friesen ihre Freiheit gegen die holländischen Invasoren zu verteidigen wussten, worauf das Touristikmanagement bis heute stolz zu sein scheint. Außerdem bietet es schöne kleine Buchten für Wasser- und Sonnenbadende. Unser Abendessen nehmen wir in dem Grand Café am Stavorener Hafen ein, wo wir schon nachmittags pausiert hatten. Zum Dinner genießen wir exzellenten Lachs und zartes Fleisch sowie ein angenehm kräftiges Brand Bier.

Und am Sonntag geht es schon wieder zurück. Wir kaufen natürlich Lakritze ein sowie Sandwich Spread und Vla und was man sonst noch so braucht, um zuhause die Sehnsucht nach Holland beziehungsweise Friesland zu stillen: also Grolsch und ein Sixpack Kanon, das einen wirklich sehr ausgeprägtenGeschmack hat, aber perfekt mit Lakritze harmoniert.

Auch auf der Rückfahrt fällt uns wieder auf, dass die Niederlande viel hübscher als Deutschland sind.Sogar die Straßen sind im Nachbarland viel besser und vielleicht gibt es hier sogar weniger Staus. Jedenfalls müssen wir nach der Überquerung der Grenze schon bald die Autobahn verlassen und fahren durch das wunderschöne Wiehengebirge und die hübsche Stadt Vlotho.

Ja, auch Deutschland kann sehr schön sein.

 

Mein perfektes Amsterdam