Leseprobe aus "Goethes Faust in die Fresse und andere öde Oden"
1999
Goethes Faust in die Fresse der Gedenkjahrsterroristen
Zum 250. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe
In einem flachgezimmerten engen goetheschen Gewölbe
GOETHE unruhig in seinem Grab.
Hab nun, ach! Die Philosophey
Farbenlehre und Juristerey
Und leider auch die Dichterie
Durchaus studiert mit heisser Müh.
Hier lieg ich nun, ich armer Tohr,
Und binn noch klüger als zuvor.
Heisse Geheimrat und Dichterfürst gar
Und liege hier schon an die 170 Jahr.
Herauf, herab und queer und krumm
Führ ich meine Nachwelt an der Nas herum
Und seh, dass sie nicht selber dichten können:
Das will mir schier das Herz verbrennen.
Zwar binn ich gescheuter als alle die Laffen,
Docktors, Professors, Ranickis und Pfaffen,
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
Fürcht mich weder vor Feuilleton noch Teufel.
Doch ist mir all die Freud entrissen,
Bekomm ich von meinen Nachrufen zu wissen.
Bildete mir ein, ich könnt was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren;
Doch weder Gut noch Geld
Noch Ehr und Herrlichkeit der Welt
Lassen diese Hunde besser leben:
Bei meinem Gedenkjahr muß ich mich übergeben.
Ob nun durch des Laudators Mund
Noch manch Geheimnis werde kund:
Ach, ich gebe darauf einen Scheis
Wenn er redet, von dem, was er nicht weis.
Was des Dichters Welt
Im innersten zusammenhält?
Ihr wißt es nicht, Ihr geistig Armen:
So tuht nicht mehr in meinen Worten kramen.
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